Notfälle wie am Fließband

Im 20-Minuten-Takt helfen: einem Kind mit Knochenbruch, einem Herren mit Herzinfarkt oder bei einer Entbindung. Bei unserer jährlichen Flächenübung bauen wir auf einem ehemaligen Flugplatz rund 15 Stationen mit professionell geschminkten „Verletzten“ und „Kranken“ auf. Die Azubis arbeiten in Dreier-Teams, die jeweils aus allen Lehrjahren zusammengesetzt sind. Nach jeder Station gibt ein Trainer Feedback.

Nur vier Wochen theoretischen Unterricht hatten die Azubis des ersten Lehrjahres bis zur Flächenübung. Noch kennen sie keinen Rettungswagen (RTW) von innen. „Ich war tierisch aufgeregt, hatte Angst, im Weg zu stehen“, so eine Auszubildende. Aber ihre Teamkolleginnen aus höheren Lehrjahren zeigen ihr, wo sie alles findet. Gemeinsam checken sie den RTW. Ein Baby (-Simulator) ist überraschend in der Lagerhalle geboren worden. Die Vitalfunktionen des „Neugeborenen“ werden kontrolliert und es wird in eine Decke gewickelt, um die Wärme zu erhalten. Die Heizung im Patientenraum des wartenden Rettungswagens läuft bereits. Die Kolleginnen aus dem 2. und 3. Lehrjahr unterstützen den Kreislauf der Mutter. Herzstillstand. Stress pur. Aber alle wissen, was zu tun ist. Eine angehende Notfallsanitäterin presst regelmäßig mit aller Kraft auf den Brustkorb des Erwachsenen-Simulators. Ihre Kolleginnen beatmen und bereiten Medikamente vor. Schließlich schlägt das Herz wieder. „Ich hätte nicht gedacht, dass alles so realitätsnah wirkt“. Der „Patient“ ballt die Faust und stöhnt. Die Kettensäge ist abgerutscht. Die Auszubildenden stillen sofort die täuschend echt aussehende Blutung und überwachen den Kreislauf. Ihre Anspannung trägt sie über das einsetzende Mittagstief. Bis sie vor ihrem Teller sitzen, brauchen alle die volle Konzentration. Eine Patientin hängt in Sicherungsgurten am Baum. Sie ist ansprechbar. „Wie bekommen wir sie darunter?“. „Auf jeden Fall nicht hinlegen, sondern setzen“, sagt die Kollegin aus dem dritten Lehrjahr, „sonst sackt der Kreislauf ab!“.