Notfallsanitäter oder Rettungssanitäter

Ausbildung Notfallsanitäter oder Rettungssanitäter

Die RKiSH startete 2018 mit der jährlichen Ausbildung von Rettungssanitätern für den eigenen Bedarf. Für Unentschlossene, aber auch für interessierte Bürger stellen wir die beiden „Sanitäter“ an dieser Stelle einmal gegenüber und erläutern die Unterschiede.

Um Verwirrungen zu vermeiden: Im Rettungsdienst werden auch Rettungsassistenten eingesetzt.  Die Ausbildung dazu kann man allerdings nicht mehr beginnen. Mit der Einführung des Berufsbildes Notfallsanitäter im Jahr 2014, wurde die Ausbildung des Berufs Rettungsassistent eingestellt.

Ausbildungsdauer

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter dauert drei Jahre, die zum Rettungssanitäter bis zur Prüfung drei Monate. Damit ein Rettungssanitäter in Schleswig-Holstein in der Notfallrettung eingesetzt werden kann, muss er nach der bestandenen Prüfung 100 Notfalleinsätze als drittes Besatzungsmitglied absolvieren und somit Berufserfahrung sammeln. Hinzu kommt noch die für die Tätigkeit notwendige Führerschein Klasse C1-Ausbildung. Etwa sechs Monate nach Ausbildungsbeginn ist diese Qualifizierung dann abgeschlossen und der Rettungssanitäter kann entsprechend eingesetzt werden.

Ausbildungsinhalte
Notfallsanitäter:

Insgesamt entfallen auf die schulische Ausbildung an der Akademie in Heide 1920 Stunden, auf die praktische Ausbildung an der Rettungswache 1960 Stunden und auf die Ausbildung in einem unserer Kooperations-Krankenhäuser 720 Stunden. Dies ist in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für den Beruf festgelegt.

Die ersten 18 Monate begleiten die Auszubildenden auf den Rettungswagen ein erfahrenes Team, werden somit als zusätzliches Besetzungsmitglied eingesetzt. Nach diesen 18 Monaten erfolgt dann die sogenannte Kompetenzüberprüfung, bestehend aus einer schriftlichen, einer mündlichen und drei praktischen Prüfungen. Wenn diese erfolgreich bestanden wurden, werden die Auszubildenden fortan als vollwertiges Besatzungsmitglied auf den Einsatzmitteln der RKiSH eingesetzt – immer gemeinsam mit einem ausgebildeten Notfallsanitäter. Den Abschluss der dreijährigen Ausbildung bildet dann das Examen, welches ebenfalls aus schriftlichen, mündlichen und praktischen Elementen besteht.

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter soll entsprechend dem allgemein anerkannten Stand rettungsdienstlicher, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse fachliche, personale, soziale und methodische Kompetenzen zur eigenverantwortlichen Durchführung und teamorientierten Mitwirkung insbesondere bei der notfallmedizinischen Versorgung und dem Transport von Patientinnen und Patienten vermitteln. Dabei sind die unterschiedlichen situativen Einsatzbedingungen zu berücksichtigen.

Rettungssanitäter:

Die Ausbildung zum Rettungssanitäter beginnt bei der RKiSH mit 6 Wochen schulischer Ausbildung an der RKiSH-Akademie in Heide, da über die vorgeschriebenen 160 h hinaus auch Einweisungen in Themenfelder wie Digitalfunk, Medizingeräte und Hygieneaspekte durchgeführt werden. Es schließen sich jeweils ein vierwöchiges Praktikum in einem unserer Kooperationskrankenhäuser und auf einer unserer Rettungswachen an. Nach diesen drei Monaten erfolgt der Abschlusslehrgang und die Rettungssanitäter-Prüfung, bestehend aus einer schriftlichen, einer mündlichen und drei praktischen Prüfungen. Im Anschluss daran folgen die durch uns organisierte Führerscheinausbildung und das Sammeln der 100 Notfalleinsätze als Berufserfahrung.

Die Ausbildung soll dazu befähigen, beim Krankentransport Patientinnen und Patienten selbständig zu betreuen sowie bei der Notfallrettung Fahrer- und Helferfunktionen auszuüben

Vergütung der Ausbildung und Verdienst nach der Ausbildung

Die RKiSH ist Mitglied des kommunalen Arbeitgeberverbandes. Unsere Mitarbeiter werden somit nach TVöD VKA entlohnt.

Die RKiSH ist Mitglied des kommunalen Arbeitgeberverbandes. Unsere Mitarbeiter werden somit nach TVöD VKA entlohnt.

Die Auszubildenden zum Notfallsanitäter (TVAöD Pflege) erhalten nach aktuellem Stand:

1. Lehrjahr: 1.140,69 €
2. Lehrjahr: 1.207,07 €
3. Lehrjahr: 1.303,38 €

Angehende Rettungssanitäter erhalten für die Dauer der Ausbildung (ca. 6 Monate) 75 Prozent der Ausbildungsvergütung für Notfallsanitäter im ersten Lehrjahr, aktuell also 855,52 Euro/Monat.

Fertige Rettungssanitäter sind in der EG 4 eingruppiert, Notfallsanitäter in der EG N. Berufseinsteiger beginnen in Stufe 2. Zum Grundgehalt kommen im Rettungsdienst die jeweiligen Schichtzulagen hinzu.

Spätere Tätigkeiten im Berufsalltag

Notfall- und Rettungssanitäter sind immer dann zur Stelle, wenn sie gebraucht werden. Das sind neben Notfällen aller medizinischen Fachrichtungen häufig auch Transport- und Betreuungsaufgaben. Freude am Umgang mit Menschen jeden Alters und aller Nationen ist somit in beiden Fällen Grundvoraussetzung für ein erfülltes Berufsleben. Durch die demographische Entwicklung werden die Krankentransporte und somit die Betreuung von Patienten in Zukunft zunehmen.

Für wen ist welche Ausbildung die richtige?

Grundsätzlich kann natürlich nur jeder für sich selbst beantworten, welche Ausbildung die richtige ist. Folgende Fragestellungen können aber bei der Entscheidungsfindung helfen:

Möchte ich langfristig im Rettungsdienst tätig sein?

Wer sich für die Ausbildung zum Rettungssanitäter entscheidet, verdient etwa zweieinhalb Jahre früher als bei der Notfallsanitäter-Ausbildung ein volles Gehalt. Damit bietet sich diese Ausbildung für diejenigen an, die z. B. Wartesemester bis zur Aufnahme eines Studiums überbrücken wollen. Ebenso ist eine Nebenbeschäftigung als Rettungssanitäter während des Studiums in Teilzeit bei der RKiSH gelebte Praxis.

Für eine längerfristige Perspektive im Rettungsdienst empfiehlt sich die Ausbildung zum Notfallsanitäter. Aufbauend auf diese sind weitere Qualifikationen, wie z. B. zum Praxisanleiter oder Organisatorischen Leiter Rettungsdienst oder Lehrkraft an unserer Akademie möglich. Auch ist die tarifliche Eingruppierung an die höhere Qualifikation angepasst.

Trage ich gern Verantwortung?

Notfallsanitäter tragen innerhalb des Teams auf den Rettungsmittel in Bezug auf die Patientenversorgung und das taktische Vorgehen die Verantwortung. Somit sind Selbstvertrauen und Entscheidungsfähigkeit Voraussetzungen für diese Tätigkeit. Auch werden alle unsere Notfallsanitäter im beruflichen Alltag in die Ausbildung unserer Auszubildenden und Praktikanten eingebunden.

Rettungssanitäter unterstützen die Notfallsanitäter bei der Notfallversorgung von Patienten und arbeiten selbstständig Krankentransporte ab. Gleichwohl die Teamarbeit als Ganzes zählt, tragen Sie im Einsatz weniger Verantwortung.

Kann ich mich gut zum eigenständigen Lernen motivieren?

Für die Ausbildung zum Notfallsanitäter nutzen wir in der RKiSH die Unterrichtsmethode FloW+. Dies steht für „Freies Lernen, organisierte Wissens- und Kompetenzentwicklung“ und bedeutet, dass unsere Auszubildenden sich vieles an Wissen selbst und durch verschiedene Methoden aneignen, da das Erlernte sich so sehr gut festigen kann. Selbstverständlich werden die Auszubildenden hierbei von unseren Lehrkräften unterstützt und begleitet.

Der Unterricht im Flow+ ist nicht mehr in einer Fachsystematik organisiert, sondern in Lernfeldern und Lernsituationen. Die einzelnen Lernsituationen sind dabei an alltäglichen Handlungen des Rettungsdienstes angelehnt und für die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten an der RKiSH-Akademie aufbereitet. In einer Lernsituation werden alle notwendigen Inhalte, zum Beispiel Anatomie, Physiologie, Physik, Fachsprache usw. und die nötigen praktischen Fertigkeiten erlernt, die zur Lösung der Situation benötigt werden. Es besteht während des Lernens also ein direkter Praxisbezug. So kann die, für die Arbeit als Notfallsanitäter geforderte Handlungskompetenz aufgebaut werden.

Rettungssanitäter werden während der fünf Wochen in der schulischen Ausbildung intensiv geschult und auf Grund des engeren Zeitplanes wird in dieser Ausbildung „klassischer“ unterrichtet.

Egal ob Notfallsanitäter oder Rettungssanitäter: nach Abschluss der Ausbildung muss das gewonnene Wissen stets erweitert und gefestigt werden, da sich die Medizin und die empfohlene Versorgung von Patienten permanent weiterentwickeln.

Copyright 2020 Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) gGmbH.